Spätwinter, Kapha und das, was sich leise vorbereitet I
- Heike Eichhorn

- 3. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

In meiner Praxis erlebe ich diese Zeit jedes Jahr sehr deutlich.
Viele fühlen sich müde und erschöpft.
Der Körper braucht länger, um in Gang zu kommen, Erkältungen halten sich hartnäckig, und selbst Dinge, die sonst leichtfallen, brauchen mehr Anlauf.
Draußen ist noch Winter. Und trotzdem liegt etwas in der Luft.
Im Ayurveda sprechen wir jetzt vom Spätwinter. Vata ist noch präsent, doch Kapha beginnt mehr und mehr Raum einzunehmen. Es ist kein klarer Wechsel, eher ein langsames Ineinandergreifen – wie so oft in der Natur.
Übergänge fühlen sich selten eindeutig an. Meist sind sie leise – und brauchen Zeit.
Kapha ist eines der drei Doshas und steht für die Elemente Erde und Wasser.
Es schenkt Stabilität, Struktur und Halt. Ohne Kapha gäbe es keinen Aufbau, keine Regeneration, keine Tiefe.
Im Körper zeigt sich Kapha vor allem in:
Gewebe und Gelenken
Schleimhäuten und Flüssigkeiten und
unserer Widerstandskraft.
Im Geist erleben wir Kapha als Ruhe, Geduld und Beständigkeit.
Wenn Kapha sehr präsent ist, kann sich das auch als Trägheit, Schwere oder Antriebslosigkeit zeigen – genau das, was viele im Spätwinter beschreiben.
Dass wir uns müde fühlen, obwohl der Frühling näher rückt, wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich.
Ayurvedisch ergibt es Sinn: Der Körper ist noch im Aufbau-Modus, sammelt Substanz, hält fest. Kapha speichert – und das braucht Zeit und Energie.
Der Körper ist im Spätwinter noch im Aufbau. Auch wenn der Frühling innerlich schon ruft.
Man könnte sagen: Der Organismus ist noch dort, wo die Jahreszeit ihn braucht – auch wenn unser Kopf manchmal schon weiter ist.
Was jetzt gut tut – ganz praktisch
Aus meiner Erfahrung heraus hilft es in dieser Zeit besonders, den Körper freundlich zu unterstützen, statt etwas beschleunigen zu wollen.
Bewegung
Nicht unbedingt mehr, sondern bewusster.
Yoga, Spaziergänge, sanfte Aktivität im Alltag, ein bisschen Tanzen zwischendurch. Fließende Bewegungen, die beleben, ohne zu fordern.
Essen
Warm, gekocht, gut verdaulich.
Suppen, Eintöpfe, gedünstetes Gemüse. Gewürze wie Ingwer, Kurkuma oder Pfeffer helfen dem Stoffwechsel, wieder in Bewegung zu kommen.
Massage
Gerade jetzt wirken anregende ayurvedische Massagen besonders gut.
Gharshan (mit Seidenhandschuh) oder Udvartana (Pulvermassage) bringen Bewegung ins Gewebe, fördern die Durchblutung und hinterlassen oft ein Gefühl von Klarheit und Wachheit.
Manchmal reicht ein kleiner Impuls,
damit wieder Bewegung ins System kommt.
Ein einfaches Kapha-Rezept:
Wärmende Linsensuppe
Diese Suppe empfehle ich in dieser Zeit besonders gern – unkompliziert, nährend, gut verdaulich.
Zutaten:
Rote Linsen, Karotten, Sellerie, Lauch, frischer Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel, schwarzer Pfeffer, etwas Ghee oder Olivenöl.
Zubereitung:
Gemüse klein schneiden und in Ghee oder Öl anschwitzen. Ingwer und Gewürze dazugeben, dann Linsen und Wasser. Köcheln lassen, bis alles weich ist. Abschmecken, fertig.
Wärmend, sättigend, ohne zu beschweren – genau richtig für den Spätwinter.
Draußen sieht man es noch kaum. Und trotzdem bereitet sich die Natur längst auf den Frühling vor.
Die Natur macht es uns vor.Alles zu seiner Zeit.




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