Päpstlicher als der Papst


Heute Nacht, mein Freund, hab ich von Frieden geträumt...

Oft hift mir Musik um mit gewissen Anteilen in mir in Kontakt zu kommen. Heute war es das Lied von Silbermond "Weiße Fahnen". Vielleicht magst Du es hören, während du liest.

Ihr Lieben, die ihr hier immer mal wieder vorbeischaut, hier lest und mir ab und an auch nette Mails schickt..ich schreibe Euch heute.

Diese Überschrift oben, diesen Satz, den habe ich oft gehört auch als Kind schon. Immer dann, wenn ich einfach Ungerechtigkeiten nicht verstehen konnte. Immer dann, wenn ich die Grausamkeiten der Welt nicht verstehen konnte. Immer dann, wenn ich einfach nicht einsehen wollte, wieso manchmal ein Klaps auf den Po sein musste,wieso doch ein lautes, verletztendes Wort gesprochen werden musste, wieso mich das nichts angeht, wenn ein Kind weint.

Immer dann, wenn ich Erwachsene gefragt habe, wieso man Tiere tötet, warum man nicht verzeihen kann, warum man sich verletzt und nicht eingreifen soll, wenn mir das, was scheinbar für andere normal war mir vollkommen absurd erschien...immer dann hörte ich: "Du musst ja nicht päpstlicher sein als der Papst"..

Was bedeutet das? Das ein gewisses Maß an Respektlosigkeit, an Verletzung, an Gleichgültigkeit, an bösen Worten in Ordnung, akzeptabel ist? Und wenn ja, wo ist da die Grenze? Wieviel Wut und Verletzung ist denn noch salontauglich?

Ich verrate Dir etwas, nenn mich naiv und kindisch, nenn mich einen Träumer: Ich glaube an das reine Herz. Ich glaube zutiefst an das Gute im Menschen und ich glaube an die absolute, bedingungslose Liebe. Ich glaube daran, dass unter all dem Gerümpel und den Grausamkeiten ein Licht leuchtet , bei jedem von uns.

Ich verrate Dir aber auch noch etwas: Manchmal sitze ich hier und kann all das, was in der Welt geschieht, nicht ertragen. Es raubt mir den Atem. Ich weine und weine und bete und weiss nicht, was ich machen kann..ich sehe Chaos und Krieg, schreiende Kinder, das Leid der Tiere, die auf den Schlachthof geführt werden, ich sehe die Maßlosigkeit in allem, diese unfassbare Gewalt an allen Lebewesen und es fällt mir manchmal so schwer, so zu tun, als ob nichts wäre.

Ich sehe und spüre diese Dinge im gr0ßen aber auch im kleinen..Kinder, die verzweifelt die Aufmerksamkeit ihrer Eltern suchen, wie das anfängliche Leuchten in den Augen erlischt, weil sie am Tag so oft hören, was sie falsch machen und nicht sein dürfen, wie sie nunmal sind. Frauen, die Ihre Weiblichkeit nicht mehr spüren, Männer, die nur noch funktionieren....

Ihr Lieben, manchmal verhaspel ich mich...es ist ein tiefer, innerer Drang in mir, euch etwas mitzuteilen und dann fehlen mir die Worte..

Ich träume von einer Welt, in der es nicht mehr notwendig ist, andere zu verletzen und die Wut auszuleben. Momentan brauchen wir das leider immer noch, um uns vor dem zu schützen, was uns erwarten würde, wenn wir Wut durch Liebe und Verletzung durch Mitgefühl ersetzen würden...wenn wir uns erinnern, wie oft wir selbst mit Wut konfrontiert wurden und wie sehr wir selbst verletzt wurden.

Wenn wir voller Scham auch ersteinmal erkennen müssen, wie oft wir selbst manipulieren. Aber das ist wichtig!!

Ich bitte Dich, versuche es immer wieder.

Ich weiss nicht, ob ich Dich hier erreichen konnte, es wäre schön, wenn es so wäre..

Schön, dass Du hier warst!

Wut=Liebe

Verletzung=Mitgefühl


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​© 2016 Spürbar-Ich, Heike Eichhorn